Marc Surminski, Zeitschrift für Versicherungswesen, vom 15. Februar 2017

Solvency II wurde 2016 eingeführt. Die Anstrengungen der Versicherer sind aber noch nicht vorüber - im Gegenteil. 2017 geht es erst richtig los, erwartet Dr. Dietmar Kohlruss, Geschäftsführer der aktuariellen Beratungsgesellschaft Meyerthole Siems Kohlruss MSK. Erstmals stehe die Prüfung der Solvabilität durch einen externen Wirtschaftsprüfer an. Noch gebe es keine Erfahrungen, wie genau da geprüft werde. Die Preise, die manche Prüfer dafür aufriefen, seien jedenfalls sportlich und deutlich über dem Wert von ca. 50% des normalen HGB-Berichtes, den die BaFin empfohlen habe, sagte Kohlruss bei einer Presseveranstaltung seines Unternehmens in Berlin.

Außerdem steht die SCR-Review seitens der BaFin an. Das bisherige Berichtswesen wird durch zwei weitere Berichte vervollständigt: den Bericht an die Aufsicht (RSR) und den Bericht an die Öffentlichkeit (SFCR). Für Umfang und Detaillierung gebe es noch keine Standards; zudem könnten die Angaben im Bericht für die Öffentlichkeit erheblichen Wettbewerbsdruck auslösen, wenn die entsprechenden Quoten-Werte in den Medien kommentiert und zur Entscheidungskriterien etwa von Maklern würden, auch wenn sie extrem erklärungsbedürftig seien. Die Unternehmen müssten hier viel Aufklärungsarbeit leisten.

Kohlruss sieht darüber hinaus die Gefahr, dass Versicherer künftig einseitig nach der Standardformel gesteuert werden, auch wenn dies ökonomisch für das einzelne Unternehmen wegen eines besonderen Geschäftsmodells womöglich gar keinen Sinn mache. Die Orientierung an dem Marktstandard sei nicht für alle Versicherer eine vernünftige Strategie.

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