Ellen Bocquel, Bocquel-News, vom 9. Oktober 2017

Die Schäden durch Starkregen haben sich letztes Jahr gegenüber 2015 verzehnfacht. Das zeigt der neue GDV-Naturgefahrenreport. Kaum war der Report veröffentlicht, zeigte der Sturm „Xavier“, dass auch 2017 mit riesigen Schäden durch Starkregen zu rechnen ist. Xavier allein könnte 200 Millionen Euro kosten.

„Noch nie haben Unwetter mit heftigen Regenfällen innerhalb so kurzer Zeit so hohe Schäden verursacht”, sagte der neue Präsident des GDV Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (www.gdv.de), Wolfgang Weiler, am Donnerstag in Berlin bei der Vorstellung des neuen GDV-Naturgefahrenreports. Da ahnte noch niemand, dass Stunden später der Sturm „Xavier“ über den Norden der Republik und besonders heftig über die Bundeshauptstadt und angrenzende Bundesländer Richtung Polen hinwegfegte. Acht Tote und immenser Sachschaden – so lautet die harte Bilanz. „Xavier“ wird die deutschen Versicherer mit rund 150 bis 200 Millionen Euro belasten", schätzt Onnen Siems, Geschäftsführer von Meyerthole Siems Kohlruss (www.aktuare.de), der als Erster konkret Schadenzahlen durch Xavier prognostiziert.

Xavier war am Donnerstag von der niedersächsischen Nordseeküste sehr rasch bis nach Brandenburg und weiter nach Polen gezogen. Dabei wurden Böengeschwindigkeiten von mehr als 100 Stundenkilometer in einem nur etwa 100 Kilometer breiten Streifen erreicht, was das Schadenausmaß laut Onnen Siems deutlich einschränkt.
Während für das laufende Geschäftsjahr noch keine weiteren Gesamtangaben über Naturkatstrophen hierzulande gemacht werden können, steht jedoch fest, dass im Jahr 2016 Unwetter mit Starkregen fast zehnmal höhere Versicherungsschäden verursacht haben als im Vorjahr. In der Gesamtbilanz des GDV schlugen Überschwemmungsschäden mit rund 940 Millionen Euro zu Buche, nachdem es 2015 lediglich 100 Millionen Euro waren. 2016 ist damit das Jahr mit den dritthöchsten Überschwemmungsschäden seit 1999. Nur die Hochwasserkatastrophen von 2002 mit 1,8 Milliarden Euro und 2013 mit 1,65 Milliarden Euro waren verheerender.

„2016 hat sich erneut gezeigt, welche enormen Schäden Starkregen anrichten können. Noch nie haben Unwetter mit heftigen Regenfällen innerhalb so kurzer Zeit so hohe Schäden verursacht“, sagte GDV-Präsident Weiler.

Demnach sorgten Naturgefahren im vergangenen Jahr für versicherte Schäden von insgesamt mehr als 2,5 Milliarden Euro (Vorjahr: knapp 2,6 Milliarden Euro). Auf die Sachversicherer entfielen dabei Schäden an Wohngebäuden, Hausrat, Gewerbe, Industrie und Landwirtschaft in Höhe von 1,9 Milliarden Euro. Die Kfz-Versicherer schulterten Schäden an Fahrzeugen in Höhe von 615 Millionen Euro.

Unwetter nehmen zu – Erweiterter Naturgefahrenschutz wichtig

Allein rund 1 Milliarde Euro an Schäden gehen auf das Konto der beiden frühsommerlichen Tiefs „Elvira“ und „Friederike“, die Ende Mai und Anfang Juni 2016 mit dicht aufeinander folgenden Gewittern und anhaltenden Regenfällen übers Land zogen. An Häusern, Hausrat, Gewerbe- und Industriebetrieben entstanden dadurch Schäden in Höhe von 800 Millionen Euro durch Starkregen sowie weitere 200 Millionen Euro durch Sturm und Hagel. In der Langzeitbetrachtung seit dem Jahr 2000 verursachen Naturgewalten hierzulande im Durchschnitt einen jährlichen Schaden von 2,4 Milliarden Euro – siehe GDV-Grafik (zum Vergrößern bitte anklicken). „Es sei jedoch bereits erkennbar, dass sich der Wechsel zwischen schadenarmen und schadenreichen Jahren verkürzt“, sagte Wolfgang Weiler. So schlägt die Serie schwerer Unwetter im Sommer 2017 bei den Versicherern bereits jetzt – in Zeiten vor „Xavier“ - mit rund 600 Millionen Euro zu Buche.

„Im Jahr der Elbe-Flut 2002 glaubten wir noch, dass gut 10 Prozent der Häuser nicht gegen Hochwasser versicherbar seien. Inzwischen können wir für 99 von 100 Gebäuden Versicherungsschutz anbieten“, sagte Weiler. Bundesweit verfügen derzeit 40 Prozent der Gebäude über einen erweiterten Naturgefahrenschutz. 2002 waren es erst 19 Prozent.

Naturkatastrophen und wie Prävention helfen kann

Der GDV-Naturgefahrenreport bilanziert die Naturgefahrenschäden an Gebäuden, Gewerbe, Industrie und Fahrzeugen im Jahr 2016. In einem Schwerpunkt-Bericht geht er der Frage nach, wie Naturkatastrophen das Leben der Betroffenen verändern und was das für die Prävention bedeutet. Ein Beispiel dafür ist das gemeinsame Starkregen-Projekt vom Deutschem Wetterdienst und dem GDV, das bereits 2016 angestoßen wurde. Zusätzlich steht ein ausführlicher statistischer Datenteil online unter www.gdv.de/naturgefahrenreport bereit.

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