Versicherer berichten über die Hochwasser-Schäden

Versicherungswirtschaft, vom 1. Juli 2013

Seit gut einem Jahr sind die Gebäude der Stadt Grimma bei der Generali versichert. Die Deutschland-Tochter des italienischen Versicherungskonzerns zahlte sofort die Jahreshöchstentschädigung in Höhe von fünf Mio. Euro. Das deckt nur einen Bruchteil der Kosten. In Grimma geht man davon aus, dass die Schäden leicht unter denen des Jahres 2002 liegen. Die Renovierung Grimmas kostete damals 250 Mio. Euro. „Das Ausmaß der Zerstörungen ist wirklich unglaublich schlimm“, berichtet Maximilian Jetzlsperger, Bereichsleiter Schaden bei der Generali. Das Rathaus von Grimma, die Schulen, Kindertagesstätten, Sporthallen, die Bücherei und Museen der Stadt haben zum Teil schwere Schäden erlitten.

Nach ersten Schätzungen werden die Hochwasser-Schäden höher ausfallen als im Jahr 2002. Die Aktuare von Meyerthole Siems Kohlruss (MSK) rechnen mit einem versicherten Schaden von etwa 2,5 Mrd. Euro in Deutschland. Das Hochwasser im Jahr 2002 hatte die Versicherer mit 1,8 Mrd. Euro belastet. Neben Deutschland litten auch Österreich, Tschechien, die Schweiz, Ungarn, die Slowakei und Polen unter den Fluten. Mit vier bis knapp sechs Mrd. Euro werden die Schäden die europäische Versicherungsbranche belasten, teilen die Risikomodellierer von Applied Insurance Research (AIR) mit. Nach Einschätzung des DIHK werden die versicherten und unversicherten Flutschäden allein in Deutschland die Elf-Milliarden-Euro-Marke überschreiten. Auf der Rückversicherungsebene könnte es zu Streitigkeiten hinsichtlichlich des Ereignisbegriffs geben: Welche Flüsse bilden ein einheitliches System und welche Schäden lassen sich in einen 72-Stundenzeitraum aggregieren? AIR betont, dass es sich dabei um ein einziges Ereignis handelt. „Betrachtet man die Dauer dieses Schadenereignisses rechnen wir damit, dass diese Flut in Deutschland als ein Ereignis betrachtet wird.“

Deutsche Bahn ist nicht mehr gegen Flutfolgen versichert

Einen großen Teil der Hochwasserschäden werden die Rückversicherer zu stemmen haben. Der Talanx-Konzern rechnet mit Schäden in ganz Europa von bis zu 250 Mio. Euro. Es ist zu erwarten, dass das Gros dieser Schäden über die Konzern-Tochter Hannover Rück reinkommt. Die Erst-Versicherer rechnen mit Schäden in Höhe von 40 (R+V, SV Stuttgart) bis 50 Mio. Euro (Signal, W&W). Die Versicherungskammer Bayern zählt 8.000 Schäden aus den Flutgebieten in Passau und Deggendorf.

Die Bayern haben ihre anfängliche Schätzung von 40 auf 50 Mio. Euro korrigiert. Die Gothaer geht von Schäden in Höhe von 44 Mio. Euro aus. Stark betroffen wird die Allianz sein, von der es noch keine Schadenschätzung gibt. Vom Hochwasser 2002 war vor allem die Industriesparte mit Großschäden bei der Deutschen Bahn und der Telekom betroffen. Die Bahn rechnet mit Hochwasserschäden in Höhe von mehr als 200 Mio. Euro, wird die aber im Selbstbehalt tragen müssen. Sie ist seit 2007 nicht mehr gegen Flutfolgen versichert.


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