Von Onnen Siems, Geschäftsführer von Meyerthole Siems Kohlruss, für Versicherungswirtschaft-heute, vom 2. September 2015

Die großen Hoffnungen, die sich mit der Telematik verbinden, sind zerbrechlich. Dies stellt die “K-Tagung 2015″ als eine ihrer zentralen Erkenntnisse fest. Die Versicherer wollen mit der Telematik die Autohersteller bekämpfen. Es droht ein böses Erwachen.

Neulich gelang es US-Forschern, die Telematikbox einer Corvette mit Hilfe einer SMS zu knacken. Dadurch ließen sich die Bremsen des Autos von einem Smartphone aus fernsteuern. Willkommen in der “Schönen neuen Kraftfahrtwelt”, die wir zum Motto der diesjährigen “K-Tagung” gemacht haben. Natürlich werden die Versicherer aus solchen Pannen lernen. In Deutschland ist die Telematik schon jetzt klüger geschützt. Doch totale Sicherheit wird es nie geben. Neue Techniken bringen neue Gefahren, das weiß das jeder.

Eine Gefahr aber wird meist übersehen. Die Versicherer könnten sich mit der Telematik verheben – denn sie kostet evtl. mehr als sie einbringt. Wer Telematikrabatte für vorsichtiges Fahren gewährt, müsste eigentlich Aufschläge für riskante Fahrer erheben. Das gibt der Markt nicht her. Damit droht ein neuer Preiskampf. Warum also überhaupt Telematik?

Im Kern geht es um Erstinformation zu Autounfällen, die die Versicherer per Telematik erhalten. So können sie verunfallte Fahrzeuge in verbundene Netzwerkstätten steuern – der entscheidende Hebel für sogenannte Werkstatttarife. Doch das trifft die Autohersteller an ihrer ertragreichsten Säule – dem eigenen Werkstattgeschäft. Sie sind ein mächtiger Gegenspieler. Ab 2018 wird in alle neuen Pkw “eCall” verbaut werden, ein automatisches Notrufsystem. Über “eCall” bekommen die Hersteller direkte Informationen zu Unfällen – und vielleicht sogar exklusiv. Wird da die Telematik mithalten können?

Onnen Siems ist einer der Gastgeber der K-Tagung 2015 in Köln. Weiterer Gastgeber ist Helmut Söhler von Scor Global P&C.

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