Björn Wichert, VersicherungsJournal, vom 24. Januar 2018

Die versicherten Schäden durch „Friederike“ liegen mindestens im hohen dreistelligen Millionenbereich, wie eine Kurzumfrage des VersicherungsJournals zeigt. Mittlerweile liegen Schadenprognosen von über einem Dutzend Marktteilnehmer vor. Hierzu gehören Aon Benfield, Axa, DEVK, GDV, Gothaer, Huk-Coburg, LVM, MSK, Provinzial Rheinland, R+V, Signal Iduna, Sparkassenversicherung, Versicherungskammer Bayern, Württembergische, VGH und Westfälische Provinzial.

Mit dem Orkantief „Friederike“ zog am 18. Januar bereits das zweite Winterunwetter nach „Burglind“ (VersicherungsJournal 8.1.2018) in diesem Monat über Deutschland. Vor allem in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen richtete „Friederike“ mit Windgeschwindigkeiten von in der Spitze 203 Kilometern in der Stunde zum Teil schwere Verwüstungen an (VersicherungsJournal 19.1.2018).

Das Unwetter forderte acht Todesopfer, hunderte zum Teil schwer Verletzte und sorgte für massive, teilweise noch andauernde Einschränkungen auf Straßen sowie im Flug- und Bahnverkehr. Unzählige Gebäude, Autos und auch Stromleitungen wurden beschädigt.

Schätzungen: Bis zu einer Milliarde Euro versicherte Schäden

Nur einen Tag nach dem Sturm wurden die ersten Schadenprognosen veröffentlicht. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) erwartete nach einer ersten Schätzung versicherte Schäden in Höhe von rund 500 Millionen Euro.

Die Versicherungs-Mathematiker der Meyerthole Siems Kohlruss Gesellschaft für aktuarielle Beratung mbH (MSK) setzten ihre Prognose des versicherten Gesamtschadens deutlich höher an – und zwar auf rund 800 Millionen Euro (VersicherungsJournal 22.1.2018).

Am Montag meldete sich auch der Rückversicherungsmakler Aon Benfield, eine Marke der Aon Versicherungsmakler Deutschland GmbH, mit einer Schätzung zu Wort. Aon geht von versicherten Schäden in einer Größenordnung von einer Milliarde Euro aus.

Erste Schadenprognosen

Neben der Westfälischen Provinzial Versicherung AG (Prognose: 100 bis 130 Millionen Euro Schadenaufwand) hat inzwischen auch die Provinzial Rheinland Versicherung AG eine Schadenschätzung veröffentlicht.

Rund 24 Stunden nach dem Orkantief waren bei der Provinzial Rheinland bereits etwa 8.500 Sachschäden an Gebäuden und mehr als 300 Schäden an Kraftfahrzeugen eingegangen. Insgesamt rechnet der öffentliche Versicherer mit einem Schaden bei den eigenen Kunden von bis zu 80 Millionen Euro.

Wie bei allen Stürmen fällt der Löwenanteil mit über 90 Prozent dabei auf Gebäudeschäden.

R+V-Vorstandschef Dr. Norbert Rollinger

Am Montag wandten sich auch die R+V Versicherungen mit einer Schadenprognose an die Öffentlichkeit. Der Versicherer mit Sitz in Wiesbaden berichtete von rund 15.000 Schadenmeldungen in Höhe von knapp 28 Millionen Euro, die in den ersten vier Tagen nach „Friederike“ eingegangen seien.

„Wie bei allen Stürmen fällt der Löwenanteil mit über 90 Prozent dabei auf Gebäudeschäden“, lässt sich Dr. Norbert Rollinger, Vorstandsvorsitzender der R+V Versicherung AG, in einer Unternehmensmeldung zitieren. Insgesamt rechnet er mit einer Schadensumme von mehr als 40 Millionen Euro.

Kurzumfrage des VersicherungsJournals

Die VGH Versicherungen hatten in ihrem niedersächsischen Geschäftsgebiet bis Dienstagmorgen 8 Uhr rund 10.000 Sachschäden mit einem Volumen von etwa 10,3 Millionen Euro erfasst. Dies teilte der öffentliche Versicherer dem VersicherungsJournal in seiner Antwort auf eine Umfrage unter den größten Kompositversicherern und Anbietern aus den am stärksten betroffenen Regionen mit.

Hinzu kämen noch Kfz-Schäden, die technisch bedingt erst zum Monatsende ausgewertet könnten, Nach einer ersten Hochrechnung erwartet die VGH Sachschäden von etwa 30 Millionen Euro – ebenfalls zuzüglich der Kfz-Schäden. Die Gesellschaft wies explizit darauf hin, dass die vorgenannten Zahlen aufgrund der kurzen Zeitspanne noch mit hoher Unsicherheit behaftet seien.

Die SV Sparkassenversicherung Gebäudeversicherung AG erwartet laut einer ersten Schadenprognose voraussichtlich 15.000 Schäden bei einer Schadenhöhe von voraussichtlich 30 Millionen Euro. Zu der Aufteilung auf Gebäude und Fahrzeuge äußerte sich der öffentliche Versicherer nicht.

Bei der Signal Iduna Gruppe waren bis Dienstagmorgen (23. Januar) etwa 1.550 Schadenmeldungen mit rund 2,9 Millionen Euro Schadenaufwand eingegangen. Circa jeder achte Schaden ist nach Unternehmensangaben bereits reguliert. Wie die Signal Iduna weiter mitteilte, betrafen 84 Prozent der Schäden Gebäude, sieben Prozent den Hausrat und neun Prozent Kraftfahrzeuge. Insgesamt wird mit circa 12.300 Schäden mit einem Bruttoaufwand von etwa 13 Millionen Euro gerechnet.

Bis zu 60.000 gemeldete Schäden

Die Württembergische Versicherung AG berichtete (Stand 22. Januar) von circa 3.100 eingegangenen Schadenmeldungen mit einer Bruttoschadenhöhe von knapp sechs Millionen Euro. Etwa 2.750 Schäden (5,2 Millionen Euro) entfallen auf Sachschäden, rund 350 (700.000 Euro) auf Kfz-Schäden. Eine Prognose zur Gesamtschadenhöhe wollte das Unternehmen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abgeben, da in den nächsten Tagen von weiteren Schadenmeldungen auszugehen sei.

Bei der Huk-Coburg Versicherungsgruppe wurden bis Dienstag etwa 60.000 Schäden gemeldet. 45.000 davon betrafen die Wohngebäude- und 5.000 die Hausratversicherung. Zudem waren fast 10.000 Kraftfahrzeuge betroffen.

Die Axa Konzern AG hat bislang gut 10.000 Schadenmeldungen entgegengenommen. Dabei handelt es sich nach Unternehmensangaben weniger um Großschäden, sondern vornehmlich um übliche Sturmschäden wie etwa abgedeckte Dächer oder Schäden durch umgestürzte Bäume. Betroffen seien vor allem Gebäude, in geringerem Umfang auch Kraftfahrzeuge.

Die DEVK Versicherungen berichteten von über 5.500 gemeldeten Schäden, darunter fast 4.000 Wohngebäude-, über 1.200 Kasko-, über 250 Hausrat- sowie etwa 100 sonstigen Schäden. Angaben zum derzeitigen und zum erwarteten Schadenvolumen machten auch die drei vorgenannten Versicherer nicht. Die Schadenhöhe könne derzeit noch nicht abgesehen werden, weil die Schäden aktuell besichtigt würden, teilte etwa die DEVK mit.

Schäden in Millionenhöhe

Beim Gothaer-Konzern waren bis Montagabend (22. Januar) rund 4.500 Meldungen über Schäden eingegangen, bei denen sich nach Unternehmensangaben überwiegend ebenfalls um Gebäudeschäden der Sachversicherung handelt. Auf Kraftfahrzeuge entfalle maximal fünf Prozent des Volumens. Das Gesamtschadenvolumen bezifferten die Kölner auf voraussichtlich rund 19 Millionen Euro bei insgesamt etwa 9.800 Schäden.

Die Versicherungskammer Bayern (VKB) zählte bislang gut 1.200 Schadenanzeigen mit einem Aufwand von knapp zwei Millionen Euro. Rund 90 Prozent der Schäden entfielen auf die Gebäudeversicherung, der Rest verteilt auf die Inhalts- und die Kfz-Versicherung. Insgesamt erwartet die VKB circa 2.500 Schäden und etwa fünf Millionen Euro Aufwand.

LVM rechnet mit bis zu 90 Millionen Euro Schadenaufwand

Stark betroffen von „Friederike“ ist auch der LVM Landwirtschaftliche Versicherungsverein Münster a.G. Bis Dienstagabend wurden mehr als 42.000 Schadenmeldungen gezählt, rund drei Viertel davon in Nordrhein-Westfalen, so der Versicherer in einer ersten Bilanz.

Der LVM erwartet einen endgültigen Schadenaufwand von bis zu 90 Millionen Euro, acht Millionen Euro davon in der Kfz-Versicherung. „Damit bewegen sich die Kosten des Versicherers voraussichtlich auf dem Niveau des sogenannten Jahrhundert-Sturmtiefs ‚Kyrill‘ aus dem Jahr 2007“, so die Münsteraner in einer Unternehmensmitteilung.

Dieser zog auf den Tag elf Jahre vor „Friederike“ über Deutschland und verursachte knapp 2,1 versicherte Millionen Schäden vor allem an Gebäuden und Fahrzeugen. „Kyrill“ war mit einem versicherten Schadenvolumen von fast 2,1 Milliarden Euro der mit Abstand teuerste Wintersturn für die deutsche Assekuranz (VersicherungsJournal 16.2.2007, 30.11.2007).

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