Das Volumen der Funktionellen Invaliditätsversicherung soll sich in den nächsten drei Jahren verdoppeln

Robert Henck, Versicherungswirtschaft Nr. 10, vom Oktober 2014

Als einer der führenden Rückversicherer im deutschen Markt spezialisiert sich die E+S Rück auf die Unfallversicherung. Fortwährend werden neue Entwicklungen in der Sparte gefördert und eigenen Innovationen vorangetrieben. 2006 entwickelte das Unternehmen zusammen mit einem großen Unfallversicherer die Funktionelle Invaliditätsversicherung (FIV). Das Unfallprodukt stellt eine Alternative zur Berufsunfähigkeitsversicherung dar. Seitdem habe acht deutsche Erstversicherer die FIV zusammen mit der E+S Rück erfolgreich eingeführt. Weitere Versicherer nehmen sie derzeit in ihr Portfolio auf.

Gegenwärtig wird für dieses Produkt ein Marktvolumen in Höhe von 60 Mio. Euro geschätzt. Unter Berücksichtigung der Entwicklung der aktuellen Bestände und unter Beachtung kommender Neuanbieter kann innerhalb der nächsten drei Jahre von einer Verdopplung des Volumens ausgegangen werden, was die positive Marktfähigkeit der FIV bestätigt.

Rentenhöhe über Einbindung einer Passivdynamik anpassen

Die Funktionelle Invaliditätsversicherung zahlt dem Versicherungsnehmer eine Rente, wenn mindestens eines von fünf Leistungskriterien erfüllt wird. Unterschieden werden Unfallinvalidität, Pflegebedürftigkeit, Verlust von Grundfähigkeit, schwere Organschäden und Krebs. Wenn in einem der genannten Fälle mindestens eine objektive, irreparable körperliche Beeinträchtigung vorliegt, wird eine Rente gezahlt - entweder lebenslänglich oder höchstens bis zum Ende des 67. Lebensjahres. Die Rentenhöhe kann über das Einbinden einer Passivdynamik angepasst werden.

Üblicherweise ist die Unfallrente an einen Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent gekoppelt und die Pflegerente an das Erreichen mindestens der Pflegestufe I. Die Grundfähigkeitenrente ist an den Verlust von grundlegenden Fähigkeiten wie Sehen, Sprechen oder beispielsweise die wesentliche Einschränkung der Beweglichkeit der unteren und oberen Extremitäten gebunden. Die Organrente wird bei einer irreversiblen Schädigung des Gehirns, des zentralen Nervensystems, der Organe Herz, Niere, Leber und Lunge erbracht. Im Gegensatz zu anderen Rentenleistungen wird die Rente im Krebsfall maximal fünf Jahre in Abhängigkeit vom Stadium des Tumors gezahlt. Als ergänzende Leistungen stehen optional Assistance-Bausteine, ein Reha-Baustein und eine Fahrerschutzdeckung zur Verfügung, die die Funktionelle Invaliditätsversicherung zusätzlich aufwerten können.

Die Kalkulation des Tarifs wurde in Zusammenarbeit mit Meyerthole Siems Kohlruss Gesellschaft für aktuarielle Beratung (MSK) realisiert. Dabei ist ein Tarifrechner entstanden, der es ermöglicht, durch Parameteranpassung unmittelbar zahlreiche Varianten zu generieren, um die dem Geschäftsansatz optimal entsprechende Konstellation zu finden. Neben dem Rechnungszins und der Passivdynamik können auch das Stornoszenario sowie die Annahmen zur Berücksichtigung von Risikoprüfungseffekten und Antiselektionseffekten variiert werden. Der Tarif betrachtet als Risikomerkmale das Risikoalter, das Eintrittsalter bei Vertragsabschluss und den Geschlechtermix im Bestand. Da Leistungsfälle eintreten können, die die Kriterien mehrerer Bausteine der FIV erfüllen, musste insgesamt das Augenmerk auf der Berücksichtigung von Überlappungen zwischen den Leistungsauslösern liegen. Darüber hinaus wurde eine Dokumentation zur Kalkulation der Invaliditätsversicherung angefertigt, welchen den Kunden zur Verfügung gestellt wird und den Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) der BaFin entspricht.

Derzeit wird ein Datenpool für die FIV eingerichtet, der ab Mitte 2014 zur Verfügung stehen wird. Aufgabe des Datenpools ist es zum einen, die Entwicklung der Bestände hinsichtlich Beitragseinnahmen, Rentenhöhen, Stückzahl, Geschlecht und Alter der Versicherungsnehmer und Stornoeffekten für jedes Zeichnungsjahr unternehmensübergreifend zu analysieren. Da es sich bei der FIV um ein noch junges Produkt handelt, ist die bisherige Schadenerfahrung der einzelnen Anbieter noch nicht aussagekräftig. Aufgrund dessen werden im FIV-Datenpool zum anderen auch Schäden erfasst, um Schadenursachen, Schadenverläufe und Abwicklungseffekte zu beobachten. Der FIV-Datenpool stellt Teilnehmern eine umfassende Sammlung von Daten und Marktinformationen zum Thema Funktionelle Invaliditätsversicherung zur Verfügung. Gleichzeitig eröffnet sich die Möglichkeit, das Produkt weiter zu entwickeln.

System generiert medizinische Risikobewertung

Unerlässlich für den Abschluss einer Funktionellen Invaliditätsversicherung ist eine angemessene medizinische Risikoprüfung. Der E+S Rück Konzern unterstützt dabei seine Zedenten mit dem neuen Risikoprüfungstool ESmeRiT. Dem System liegt ein Entscheidungsalgorithmus zugrunde, der von Medizinern erstellt wurde. Dadurch wird gewährleistet, dass das Risikoprüfungssystem auf versicherungsmedizinischer Expertise und neuesten medizinischen Erkenntnissen aufbaut, die für die Annahmeentscheidung unabdingbar sind.

In der Anwendung ESmeRiT werden anhand eines Fragenkatalogs mit leicht verständlichen Fragen die relevanten medizinischen Daten der versicherten Person erfasst. Neben Angaben zu Geschlecht, Geburtsdatum, Größe und Gewicht werden wenige Fragen zu möglichen Erkrankungen gestellt, die mit ja oder nein zu beantworten sind. Wird eine Frage bejaht, öffnet sich ein Dialogfeld mit weiteren Fragen zur Präzisierung der angegebenen Erkrankung. Anhand der Antworten generiert das System sofort eine medizinische Risikobewertung. Diese Entscheidung kann der versicherten Person mit Hilfe von ESmeRiT direkt am Point of Sale mitgeteilt werden. Das Programm ist damit auch für medizinische Laien leicht zu bedienen und bietet eine fundierte schnelle Entscheidung über die Annahme der zu versichernden Person. Darüber hinaus werden Ausschlussklauseln und Versicherungszuschläge abgedeckt.

Die Erstellung des Systems wurde von dem Software- und Beratungsunternehmen COR&FJA betreut, das den Zedenten auf Wunsch auch bei der Integration der Software in seine IT-Landschaft unterstützt. Die Bereitstellung der Software erfolgt für Zedenten der E+S Rück im Rahmen des Rückversicherungsvertrag für das FIV-Produkt kostenfrei. Neben dem Basisprodukt für Erwachsene ab einem Eintrittsalter ab 18 Jahren wurden gesondert zu betrachtende FIV-Varianten für Kinder, angesichts der Besonderheiten insbesondere in der Risikobeurteilung und Leistungsprüfung, geschaffen. So zeigt sich, dass bestimmte Erkrankungen bei Kleinkindern nicht frühzeitig im Rahmen einer Risikoprüfung erkannt werden können. Weiterhin stehen aus kalkulatorischer Sicht im Kindesalter signifikant höhere Pflegewahrscheinlichkeiten einer hohen Reaktivierungsquote nach Pflegebedürftigkeit gegenüber.

Leistungsunfallprüfung nicht immer umsetzbar

Nicht zuletzt ist zu beachten, dass die Leistungsfallprüfung im Rahmen des Grundfähigkeiten-Konzepts nicht immer umsetzbar ist. Aufgrund dieser und weiterer Punkte bietet die E+S Rück die FIV für Kinder in den Varianten für Kleinkinder ab der Vollendung des sechsten Lebensmonats und in der Variante für Kinder ab der Vollendung des vierten Lebensjahres an. Jeweils stehen angepasste Musterbedingungen zur Verfügung. Wie im Fall der FIV für Erwachsene wurde für die FIV-Variante für Kinder ab dem vierten Lebensjahr eine passende IT-kompatible Lösung für die Umsetzung der Risikoprüfung entwickelt.

Da sich ein Zeichnungsjahr der FIV in der Regel über mehr als 30 Jahre abwickeln wird, ist ein Rückversicherer mit bester Bonität von hoher Bedeutung. Mit einer substanziellen Quotenabgabe auf Zeichnungsjahrbasis wird ergänzend der Schutz angeboten, der für ein Produkt mit langer Abwicklungsdauer notwendig ist. Damit wird gewährleistet, dass der Erstversicherer für die Funktionelle Invaliditätsversicherung dauerhaften Rückversicherungsschutz über die gesamte Dauer der Police genießt.

Mit der Funktionellen Invaliditätsversicherung bietet der E+S Rück Konzern Service aus einer Hand: Produktentwicklung, Musterbedingungen, Tarifkalkulation, Bestands- und Schadenmonitoring im FIV-Datenpool, Antrags- und Leistungsfallprüfung und das medizinische Risikoprüfungstool ESmeRiT. Zudem steht ein multidisziplinäres Team aus Medizinern, Mathematikern und Underwritern zur Verfügung, das Hand in Hand mit führenden Dienstleistern aus den Bereichen Aktuariat und IT zusammenarbeitet.

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