Marc Surminski, Zeitschrift für Versicherungswesen, vom 18. April 2016

Gibt es Alternativen zu den Sturm-Risikomodellen der großen amerikanischen Anbieter, die den Markt auch in Europa dominieren und sich ihre Dienste entsprechend honorieren lassen? Die aktuarielle Beratungsgesellschaft Meyerthole Siems Kohlruss (MSK) aus Köln hat ein eigenes Modell entwickelt, das den internationalen Platzhirschen Konkurrenz machen soll. „Storm Chaser“ bietet eine Sturmprognose mit Big Data, sagte MSK-Geschäftsführer Onnen Siems kürzlich bei einer Presseveranstaltung.

Ohne umfangreiche meteorologische Vorannahmen erstelle das Modell eine Sturmschätzung erstmals stochastisch – „so wie auch ein Versicherer kalkulieren würde“. Datengrundlage sind rd. 5,5 Mio. Wohngebäuderisiken (von insgesamt 20 Mio. in Deutschland) und ca. 250.000 Schäden. Mit der Generierung von zehn Windfeldern aus den Daten regionaler Wetterstationen von 2003 bis 2014 könne man Sturmereignisse wie „Niklas“ aus dem Jahr 2015 realistisch abbilden und schnelle Schadenschätzungen für aktuelle und historische Stürme auf beliebige Gebäudeportfolios vornehmen, so Siems.

Bei Niklas habe das im Testlauf gut funktioniert: Deutlich früher konnten die Aktuare eine belastbare Hochrechnung vorlegen, die den späteren Schätzungen des GDV, die schon auf den Angaben der Versicherer beruhte, ziemlich genau entsprach, ebenso wie den Berechnungen der großen Sturm-Modellierer.

Siems sieht den Vorteil für das Modell auch in den deutlich niedrigeren Kosten. Die deutschen Erstversicherer bekämen mit „Storm Chaser“ Zugriff auf ein Instrument zur Sturmschadenschätzung, das ihnen ansonsten in der Regel nur über die großen Rückversicherungsmakler und deren Modelle zur Verfügung gestellt werde. Nun könnten sie aber auch ohne den Abschluss einer Rückversicherung ihr Sturm-Risiko besser einschätzen und mit Maklern und Rückversicherern „auf Augenhöhe“ verhandeln.

MSK bietet ein Modell, das auf einer eigenen Entwicklung beruht und im Laufe des Jahres fertig gestellt werden soll, den Versicherern entweder gegen Lizenzgebühr zur Nutzung der Software an, oder das Beratungsunternehmen modelliert selbst das Sturmrisiko mit dem Portfolio des Erstversicherers auf Honorarbasis. Momentan läuft gerade ein Projekt mit dem Bestand eines größeren deutschen Gebäudeversicherers.

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